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Herzogenbergs „Die Passion“

HerzogenbergDer kirchenmusikalische Höhepunkt im März 2013, in der Passionszeit, ist die Aufführung von Heinrich von Herzogenbergs „Die Passion“ (komponiert 1896), aufgeführt von der nordhessischen Kantorei, Solisten und dem Concertino Göttingen unter der Leitung von BZK Weik. Wie vom Komponisten vorgesehenen, findet sie nicht im Konzert, sondern in zwei Gottesdiensten am Gründonnerstag (1.Teil; 28. März, 19.00 in der Liebfrauenkirche in Witzenhausen) und Karfreitag (2. Teil; 29. März, 17.00 in der evangelischen Kirche Großalmerode) statt.

Herzogenberg (1843-1900) nennt das Werk selbst ein „Kirchenoratorium für Solostimmen, Chor,. Streichorchester, Harmonium, Gemeindegesang und Orgel“.

Die Mitwirkung der Gemeinde ist Programm, wie der Komponist selber schreibt (Zitat mehrfach gekürzt): „Das Kirchenoratorium unterscheidet sich von allen seinen Vorläufern. Zerfällt ein gefüllter Konzertsaal gewissermaßen in zwei Lager, die Ausführenden und die Aufnehmenden, so ist hier diese Trennung und die auf ihr beruhende Gegenwirkung nur eine äußerliche und scheinbare. Denn die zu einer musikalischen Andachtsstunde versammelte Gemeinde verbindet in sich beide Lager zu einer Einheit, ganz wie es im Gemeindegesange nicht eine singende und eine dem Gesang zuhörende Gruppe gibt. Die sich scheinbar in Gegenwirkung zur Gemeinde stellenden Solisten und Chorsänger gehören zu ihr, ganz wie der Prediger und Liturg. Wahrlich, eine echt-evangelische Blüte; keine andere Konfession könnte sie gezeitigt haben!

Der Komponist tritt in den Hintergrund, von wo aus er unbemerkt die Leitung der Andachtsstunde übernimmt; der Ton des Werkes wird durch die Forderung bestimmt, daß in keinem Augenblicke eine Betrachtung eingefügt, eine Empfindungssaite angeschlagen werde, die sich nicht in der Seele der Gemeinde unmittelbar und wie von selbst emporheben würde. Gleichsam als äußeres Symbol für dies Verhältnis wird an wichtigen Punkten des Werkes der Gemeinde selber die Zunge gelöst; sie tritt dann mit passenden Choralstrophen in den Rahmen desselben ein. Durch den Chor als Vorsänger unterstützt, dürfte die Ausführung keine Schwierigkeiten oder unliebsame Störungen verursachen.“