↑ Zurück zu Geschichte

Großalmerode

Kirche Grossalmerode 3Hätten Sie’s gewusst? Wilhelm Grimm wurde in der evangelischen Kirche von Großalmerode konfirmiert.

Die Eintragung im Kirchenbuch lautet:
„Am 13. April 1800 Wilhelm Carl, weyland des Amtmann zu Steinau Herr Philipp Wilhelm Grimm hinterlassener ehemaliger Sohn, geboren den 24. Februar 1786, 14 Jahr, 2 Monate konfirmiert.“
Der Grund: In Großalmerode war Martin Koppen, ein Vetter der Mutter der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, als Pfarrer tätig, sodass die Konfirmation in Großalmerode vollzogen wurde.

Zur Geschichte der Kirche Großalmerode
Die Anfänge des jetzigen Kirchenbaues liegen im späten 15. Jahrhundert. Eine gotische Jahreszahl, die man in der Sakristei finden kann, belegt, dass schon 1497 hier eine Kirche stand. Klicken Sie hier, um den spannenden Bericht übder die Wiederentdeckung dieser Jahreszahl und deren Hintergründe zu erfahren (pdf-Datei)!

Ungefähr aus dieser Zeit stammt auch der Altarraum, der jetzt zudem das Sockelgeschoss des Turmes bildet. Wahrscheinlich war im 16. Jahrhundert über dem Altarraum noch kein Turm, sondern er stand gesondert auf der Westseite.
Aus der Zeit des Altarraumes stammen auch unsere Kanzel und außerdem zwei Spitzbogenportale, die in der östlichen Kirchhofsmauer eingefügt sind. Um 1735 fand ein Umbau bzw. Neubau statt, und zwar in Fachwerk. Zu dieser Zeit wurde auch der Turm auf den alten Altarraum gesetzt, drei Geschoss mit steiler, hoher Haube.
In unserem Jahrhundert, zwischen 1913 und 1916, erfolgte dann der fast vollständige Abriss der alten und Neubau der jetzigen Kirche.

 Hier finden Sie einen zeitgenössischen Bericht über die Einweihung des Kirchenneubaus.

Im Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler wird sie folgendermaßen beschrieben: „Das (Kirchen)-Schiff als kreuzförmige Halle, außen in etwas aufwendigen Formen.“
Erbauer war der Architekt Johannes Walper aus Kassel.

Zur Ausstattung der Kirche
Beim Betreten der Kirche beeindruckt das große Kirchenschiff, das nur durch modernste Bautechnik möglich war, nämlich durch den Einsat
z von Stahlbeton. An drei Seiten befinden sich fast freitragende Emporen. Das Fußbodenniveau ist zum Altarraum hin abfallend, um alle Plätze voll daraufhin auszurichten.

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1514. Sie ist eine schlichte Steinmetzarbeit in gotischer, schlanker Form. Die Ornamentik zeigt Elemente der Renaissance. Das kräftige obere Sims wird von drei Wappenschildern mit der Jahreszahl 1514 überlagert, nachweislich also aus der vorreformatorischen Zeit. In den Gefachen der Kanzel und am Fuß finden wir die Darstellung des „Weinstockes mit den Reben“.

Stadtkirche4

Der Taufstein wurde für den Umbau
der Kirche im Jahr 1916 angefertigt.

Bei der Renovierung der Kirche 1961
wurde der Altar neu angefertigt.

Kirche Grossalmerode 2 Das bunte Fenster im Chorraum stammt aus der Erbauerzeit der Kirche um 1915. Es ist zwar kein großes Kunstwerk; durch seine Farbigkeit zieht es jedoch die Blicke auf sich und auf die Unterschrift: „Siehe, das ist Gottes Lamm !“Zur Einweihung der Kirche im Jahre 1916 stiftete die Kaiserin Viktoria die Altarbibel, die noch heute in Gebrauch ist. Der Ledereinband ist mit Beschlägen aus getriebenem Edelmetall versehen. Die Ecken des Deckels stellen die vier Evangelisten dar.

Die Altarwand wurde 1961 von Prof. Wittig aus Kassel gestaltet.

Jesus ist mit den zwölf Jüngern, den Aposteln, dargestellt, wobei jedem ein bestimmtes Symbol zugeordnet ist:

Simon Petrus: Der Schlüssel weist auf Jesu Wort hin: „Ich will dir die Schlüssel des Himmels geben.“ Das Buch trägt er, wie die meisten Apostel, als Verkündiger des Evangeliums.
Jakobus der Ältere: Muschel und Flasche sind ihm Maß für Nahrung und Getränk für einen Tag.
Johannes: Der Kelch steht als Symbol für Einigkeit und Liebe der Christen untereinander.
Andreas: Das Kreuz (Andreaskreuz) deutet auf die Art seines Todes hin.
Philippus: Wie bei Andreas ist das Kreuz Zeichen für den Märtyrertod.
Bartholomäus: Das Messer in seiner Hand soll aussagen, dass er ohne Urteilsspruch ermordet wurde.
Thomas: Der Winkel soll wohl bedeuten, dass er als Baumeister gewirkt hat, es könnte auch darauf hindeuten, dass er, der Zweifler, alles genau wissen wollte. Die Lanze bekundet seinen Märtyrertod.
Jakobus der Jüngere: Die große Keule diente als Marterwerkzeug gegen ihn. Er wurde damit erschlagen.
Matthäus: Seine Todesart ist nicht verbürgt. Die Hellebarde deutet auf einen gewaltsamen Tod hin.
Thaddäus: Auch hier ist die Keule das Zeichen für seinen unnatürlichen Tod.
Simon: Er soll mit einer Säge zerteilt worden sein.
Judas: Allein und mit leeren Händen ist er auf der linken Altarwandseite dargestellt und bringt so die ganze Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung nach seinem Verrat zum Ausdruck.

Nach der Renovierung der Kirche im Jahr 1961 wurde 1963 eine neue Orgel vor die Rückwand des Kirchenschiffes gesetzt, gebaut vom Orgelbaumeister W. Bosch in Kassel. 1972 entschied man sich für eine Vergrößerung. Ca. 1400 handgearbeitete Pfeifen aus Holz und Metall erklingen jetzt im Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal.

 

Kirche Grossalmerode 1 Kirche Grossalmerode 4 Kirche Grossalmerode 5Hier können Sie die Orgel hören

(Fotos: Klaus Kemner)

Im Turm hängen die Glocken.
Die kleine Glocke mit dem Ton „B“ weist in ihrer Inschrift auf den Bibelvers Matthäus 24, 42 hin: „Darum wachet, denn ihr wisset nicht, welchen Tag unser Herr kommen wird!“

Die große Glocke mit den Ton „F“ trägt als Inschrift das Wort aus Psalm 103: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“
Beide Glocken, deren Vorgängerinnen jeweils in den Kriegen als Metall-Rohstoff abgeliefert werden mussten, wurden im Jahr 1952 aus dem Vermächtnis von Elisabeth Gundlach gestiftet und in der Glocken-Gießerei Gebr. Rincker in Sinn/Dillkreis gegossen.
Die mittlere Glocke mit den Ton „As“ ist sehr alt. Die Schriftzeichen weisen auf die Stifter und auf das Herstellungsjahr 1617 hin.

Schon seit Jahrhunderten lädt unsere schöne Kirche zur Begegnung mit Gott ein. In den Gottesdiensten feiern wir seine Gegenwart, hören auf sein Wort und haben Gemeinschaft untereinander.

Auch Sie sind herzlich eingeladen!

Hermann Ludwig Sauter

Hermann Ludwig Sauter geb. 27.8.1899, gest. 27.1.1945 Pfarrer in Großalmerode von 1931 – 1945 Sein Dienst in Großalmerode bedeutet: Brücke zwischen streitenden Brüdern und Widerstand gegen die Herrscher im Dritten Reich. Wer den mutigen Widerstand des Christuszeugen Hermann Sauter begreifen möchte, kann nicht an seiner Kinder- und Jugendzeit, an den Ideologien, mit denen er als …

Seite anzeigen »